Interessanter, umfassender Bericht von Steffen
der als Kind und Betreuer das Ferienlager besuchte
Hallo!

Mit Interesse stöberte ich die Kinderferienlagerseite Alt-Schwerin durch. Viele Gedanken, die schon die Schreiber vorher zum Besten gaben, kann ich nur bestätigen.

Ich selbst wurde 1969 geboren und ich war sicher 7 mal als Kind in Alt Schwerin, einmal im Partnerlager in der CSSR und dann noch einmal als Lehrling des WGK als Erzieher bzw. Betreuer im Winterlager.

Als Erzieher müßte ich rein rechnerisch in den Winterferien 1987 dort gewesen sein.

Nach der Wende, mitte der 90er Jahre hat mich die Neugier und die Erinnerung an die Ferienlagerfahrten noch mal an diesen schönen Platz geführt.
Leider wurden meine Freunde, denen ich es zeigen wollte und ich sehr schnell von Naturschützern vom Seeufer vertrieben.

Zurück zu den Ferienaufenthalten. Schon meine 6 Jahre ältere Schwester war sehr gern im WGK-Lager.
Sie berichtete natürlich auch immer viel. Demzufolge fuhr ich aufgeregt und super gespannt beim ersten mal als einer der jüngsten dort im Sommer hin.

Wenn man ins Lager wollte, mußte vorher eine ärztliche Untersuchung die Lagertauglichkeit feststellen und es war für die Sommerlager eine Badeerlaubnis der Eltern notwendig.

Das Taschengeld für die schon erwähnte Schlagersüßtafel, Brause usw. aus dem Steinhaus und später aus dem Essenschalter des Speisesaales, war auf Empfehlung der Lagerleiter limitiert auf 10-15 Mark und konnte bei den Erziehern deponiert werden.

Den Verkauf der Süßigkeiten haben Herr und Frau Fromm organisiert, die auch jahrelang den administrativen Teil des Lagers übernahmen.

Mit ihrem B 1000 haben sie Verpflegung herangeschafft. Wenn man mal darüber nachdenkt eine enorme logistische Leistung, denn es wurden alle warmen Mahlzeiten dort gekocht.

Fromms selbst haben im Steinhaus gewohnt, wo auch das Küchenpersonal wohnte, das nicht immer aus Einheimischen bestand, sondern auch teilweise aus Lehrlingen des WGK.

Treffpunkt der Schweriner Kinder war der Alte Garten in Schwerin vis a vis vom Staatstheater.
Der Name Frau Kauz als langjährige Lagerleiterin sagt mir auch noch etwas.

Die Gebäudestruktur des Lagers wurde ja schon mehrfach beschrieben. Dazu noch einige Ergänzungen: In Baracke 1, die auch den Essensaal enthielt, war außerdem noch der medizinische Anlaufpunkt für kränkelnde Kinder.

Hier war jahrzehntelang das Reich von Kurt Sylvester, der dort ein Behandlungszimmer und ein Krankenzimmer hatte.
In dem Krankenzimmer lag ich auch mal mit hohem Fieber, das Herr Sylvester u.a. mit Wadenwickel bekämpfte.
Bevor das Lager so richtig losging wurden alle Kinder auf Läuse untersucht, ich erinnere mich schmunzelnd daran.

Wenn ich mich recht erinnere, hieß ein weiterer späterer 'Sani' noch Jörg Nagel.
Er hatte eine niedliche kleine Schwester Astrid, daher erinnere ich mich noch so gut daran ;-) ! I

Außerdem gab es in Baracke 1 noch einen Billardraum, wo auch eine kleine Bibliothek mit Kinderbüchern war. Der Billardtisch war ein oft heiß umkämpfter Ort.

Da in den Wintermonaten mit reduzierter Kinderzahl angereist wurde, hatten wir im Speisesaal etwas mehr Platz übrig.
So konnte dort auch eine Tischtennisplatte stehen.

Im Speisesaal hing ein Fernseher. Die Fernsehecke war dann auch immer die Ecke in der Platz zum Tanzen geschaffen wurde - für die Partys.

Ich erinnere mich, daß ich als Erzieher dort für Musik gesorgt habe.
In den Sommermonaten war aber auch draußen Disco.

In der Baracke 2 befanden sich sowohl große Zimmer für 12 Kinder und kleinere für 6 Kinder. Außerdem Waschräume und Toiletten.
Am Kopfende der Baracke waren auch noch zwei Erzieherzimmer mit 4 Betten plus Ofen.

Die Nutzung der Zeltfundamente kenne ich nur aus meinen jüngeren Jahren dort.
Geschlafen habe ich nur einmal im Zelt.

Vom Lagerplatz aus gesehen rechts vom Steinhaus war noch ein Schuppen mit einem großen Vordach.
Hier konnte man Sachen auf der Leine trocknen und es gab zeitweise auch Fahrräder auszuleihen.

Hinter der Baracke 2 befanden sich in Richtung See tatsächlich irgendwelche Trichter in der Botanik.
Ich vermute, daß sie Überbleibsel von entwurzelten großen Bäumen waren.

Wenn man den Fußweg zur Badestelle entlang ging, befand sich rechts ein Berg. Oben auf dem Berg erinnere ich mich an eine uralte Latrine, also Plumpsklos.

Die Badestelle bestand aus einem Steg und der Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich war markiert. Gebadet wurde aber nicht so wie man Lust und Laune hatte, sondern gruppenweise.
So hatte man einen besseren Überblick um Badeunfälle schnell zu erkennen. Rechts neben dem Steg lagen ein paar wenige Boote.
Eins davon war ausschließlich von Herrn Fromm genutzt worden, der begeisterter Hechtangler war.

Hinter dem Fußballplatz, der wie auch das Volleyballfeld parallel zur Badestelle ein Stück weit vom Wasser entfernt war, war die Lagerfeuerstelle.
Später als Erzieher bzw. Betreuer war ich auch mehrfach in den beiden Betreuerunterkunftszimmern im Steinhaus.

Viele Aktivitäten wurden ja bereits beschrieben. Sportfeste, Fussballturniere, Disco, Neptunfeste, Wanderungen, Radtouren nach Alt Schwerin in das historische Museum, Nachtwanderungen, Bootsfahrten, Austauschschüler aus der CSSR und Polen ... an all das erinnere ich mich auch.

Zur damaligen Zeit war die nahe Autobahn gerade erst fertiggestellt. Irgendwo dahinter gab es eine Glashütte. Dort waren noch Glas-(Abfall-)Schätze im Wald zu finden.

Nicht ausbleiben konnten natürlich die Maßnahmen um auch in den Ferien die sozialistische Erziehung und Disziplinierung nicht aus den Augen zu verlieren.
Appelle (mit Fahne hissen am ersten Tag) und Frühsport waren die ungeliebten Events, wurden aber tapfer ertragen und vom Erzieherteam in erträglicher Zahl gehalten.

Die kleinen Gruppen mußten vor dem Essen (gruppenweiser Einmarsch in den Essensaal) oft bei Kurt Sylvester die hoffentlich gewaschenen Hände vorzeigen.
Trotzdem kann ich nur bestätigen, daß mir dieses Lagerleben in den Ferien so viel Spaß und Freude gemacht hat. Ich kam quasi aus dem Ferienlager zurück und drängte meinen Vater, mich wieder für den Winter oder die nächste Möglichkeit anzumelden. Heimweh hatte ich niemals.

Besonders intensiv sind natürlich noch die Erinnerungen von meiner letzten Fahrt als Betreuer erhalten.
Zusammen mit mehreren Mitlehrlingen waren wir im Winter dort.
Wir wurden dem Rest unseres Betreuer- und Küchenpersonalteams schon vor dem Ferienlager bekannt gemacht.

Meine Gruppe waren die kleinsten Mädchen. Das ging irgendwie nicht anders aber ich arrangierte mich mit Heimwehproblemen, Gute-Nacht-Geschichten, Gute-Nacht-Küsschen und dem ganzen Drumherum.

Der Lagerleiter Stefan Gau war sehr beliebt bei den Kindern und auch sonst sehr engagiert. So zog er allein an einem Tag mit allen Kindern zum Rodeln los um uns Betreuern mal eine Auszeit zu gönnen.

Ich erinnere mich auch an eine Nachtwanderung für die Erwachsenen. Der Lagerleiter holte uns leise mitten in der Nacht aus den Betten, wir wanderten außen ums Lager herum zum See runter der zugefrohren war. Ein Lagerfeuer ging in dieser eiskalten Nacht an.
Watt war es romantisch!
Zumal ich mich schon vorher unsterblich in eine der Küchenhelferinnen verliebt habe.

Ich möchte noch mal allen danken, die dies seinerzeit ermöglichten.

Die Erlebnisse aus den Kinderferienlagern trugen so auch zu einer aus meiner Sicht spannenden und unbeschwerten Kindheit und Jugend bei.

Bildmaterial habe ich aus dieser Zeit so weit ich weiß leider keins mehr.

Mit besten Grüßen


Steffen Pieper, September 2007


PS: Dieser Olli, also Oliver - heißt nicht ganz zufällig Oliver Seifert?

 Seid Ihr auch in diesem Ferienlager gewesen oder wollt Ihr Kontakt zu Steffen aufnehmen,
weil ihr meint ihn zu kennen, dann schreibt bitte eine Mail